"... was? Du spielst den Kontrabass in Quintstimmung. Du musst aber große Hände haben."
Das ist mein Lieblingskommentar zur Quintstimmung. Vergleiche ich den mit meinen Erlebnissen beim Spielen, dann kann ich nur sagen: Meine Hände können gar nicht klein genug sein, um mich bewegen zu müssen.
Klar ist, meine Hände sind in jedem Fall nicht groß genug, um ohne Bewegung der Finger, der Hand, des Armes und der Körpers linear von einer Saite zu anderen zu kommen und unterwegs auch noch Musik zu machen. Und da ist er eigentlich auch schon, der besondere Reiz der Unternehmung. Ich bin durch die Quintstimmung dazu gezwungen, mich zu bewegen. Jede musikalische Bewegung erfordert eine körperliche. Es gibt keine Bewegung ohne Bewegung. Das soll erst mal noch nichts über die Qualität der Musik sagen. Das ist ein Körpergefühl und beschreibt für mich eine spezielle Erfahrung von Musik.
Ich möchte zur Bewegung ermuntern, die Stimmung des Instrumentes ist dabei sekundär. Spiele doch mal eines deiner Lieblingsstücke auf einer Saite (wenn es der Tonumfang des Stückes erlaubt).
Für mich persönlich wurde durch die Umstellung der Stimmung die Bewegung zum Prinzip.
Ein tiefes C und ein A oben ... Naja so groß ist der Unterschied im Tonumfang zum in Quarten gestimmmten Kontrabass nun auch nicht - ist eine Frage der Pespektive und manchmal auch der Literatur. Der erweiterte Tonumfang der leeren Saiten ist für meine musikalische Sprache nicht unbedingt erforderlich. Entscheidender für mich ist das Resonanzverhalten des Intrumentes und das bedeutet ein geändertes Klangverhalten. Ich habe das nicht nachgemessen, ich weiss auch nicht wie es der Hörer wahrnimmt. Für mich als Spieler ist das ein gewaltiger Unterschied zur Quartstimmung. Ich empfinde jeden Ton direkter und jedes Motiv transparenter. Quintstimmung verändert das Frequenzspektrum des Instrumentes!
Nach der Einspielung einiger Stücke im Studio kam der Toningenieur zu mir und schaute verwundert auf meinen Kontrabass und fragte dann, was das für ein besonderes Instrument sei, das in allen Frequenzbereichen so ausgewogen ist. Das gleiche Instrument hat ein anderer Tonigenieur in einem anderen Studio einige Zeit vorher - damals noch in Quartstimmung - verteufelt, hier ein Wolf, da zu leise, da zu laut ... so etwas ist schwer aufzunehmen. Hm?!